Reisebericht von Brigitte Meier  

 

 

 

Reisegruppe "Teepalig" vor Mama Tenis neuem Haus

 

 

 

Vereinsmitglied Brigitte Meier, Journalistin, hat an der Begegnungsreise im Januar2014 teilgenommen. Lesen Sie hier Auszüge aus ihrem Reisebericht,der am 22. März 2014 in der Rhein-Zeitung, Lokalausgabe Cochem-Zell,veröffentlicht wurde

Diebunten Gewänder und Kopftücher der Frauen heben sich von derlehmfarbenen, staubtrockenen Savanne Nordghanas (Upper East Region)ab. Begleitet von Trommlern, Sängern und vielen Kindern nähert sichdie tanzende Gruppe der Mosaikterrasse eines ehemaligen Hotels. Dorterwartet sie ein besonderes Fest, Gastgeber sind dieHilfsorganisation „AfriKids“ und sieben Besucher aus der Eifel,Mitglieder des Fördervereins Teepalig Waisenkinder Ghana mit Sitz inStrotzbüsch (Vulkaneifel) und Mitgliedern auch im Kreis Cochem-Zell.

VorsitzendeIsabell Hayer-Iliasu aus Gillenfeld, Anja Arnold aus Trautzberg undihre Tochter Jessica, Jutta Nisius und Karl-Heinz Altherr ausBausendorf, Heike Corsi aus Steinborn, Evi Fersterer-Ziltz aus BadBertrich und die Autorin aus Kaisersesch haben die weite Reisegemacht, um sich mit eigenen Augen von der Sozialarbeit zuüberzeugen, die sie mit Spenden unterstützen. Vor allem abermöchten sie ihre Patenkinder in den Familien besuchen, die dieJungen und Mädchen aufgenommen haben. Die Kinder konnten 2012 aufBetreiben von Isabell Hayer-Iliasu mit Hilfe von „AfriKids“ einschlecht geführtes, mittlerweile geschlossenes Waisenhaus verlassen,um in ihren eigenen oder Pflegefamilien zu leben.  

Diefröhliche Begrüßungsparty ist ein wichtiger Teil desReiseprogramms, denn den Müttern und Großmüttern, Onkeln undCousins der insgesamt 31 Kinder liegt viel daran, den „Solemingas“(so werden Weiße in dieser Region genannt) ihre Dankbarkeit zuzeigen. Sie haben nämlich verstanden, dass die Kinder nur mit einerguten Bildung der Armutsfalle entkommen können. Und sie wissen, dasssie und die Kinder durch die professionelle Sozialarbeit von„AfriKids“ eine echte Chance haben. Die Familien lieben „MamaIsabell“, die 2008 den Eifeler Förderverein zur Unterstützung derKinder von Teepalig Gbeogo gegründet hat. Sie tanzen und singen fürdie junge Frau aus Gillenfeld, verneigen sich respektvoll vor ihr undnehmen sie in die Arme.

Geradezugerührt sind die deutschen Gäste von einem temperamentvollaufgeführten Theaterstück, das die Pflegemütter und –väter mitden Kindern eigens für den Besuch aus Germany einstudiert haben.Thema ist die Bildung, insbesondere auch für Mädchen. „AfriKids“hat die Sozialarbeiter David und Silas sowie weitere Mitarbeitergeschickt, die nicht nur fröhlich mitfeiern, sondern auch die neuenSchulbücher verteilen. Stolz nehmen die Kinder ihre Päckchenentgegen und versprechen vor der ganzen Gruppe, weiterhin fleißig zulernen.  

 

Ein bescheidenes Essensgeld, Krankenversicherung,Schulkleidung und Bücher erhalten die Familien nur, wenn sie den mit„AfriKids“ geschlossenen Vertrag einhalten. Die Kinder müssendie Schule besuchen, Hausaufgaben machen, ihre Schulbücher pfleglichbehandeln und – falls vorhanden – ihre Ziegen oder Kühe gutversorgen. Die Erwachsenen dürfen sich nicht auf dauerhafte Almosenverlassen, sondern müssen sich um einen Job bemühen, um selbsteinen Beitrag zum Unterhalt leisten zu können, sei er auch noch soklein. Ziel von „AfriKids“ ist es, dass alle Familien inabsehbarer Zeit ohne Spenden zurechtkommen. Und die Kinder solleneines Tages dank einer Ausbildung auf eigenen Füßen stehen können.

Nichtnur neue Schulbücher hat „AfriKids“ im Gepäck. Die Augen derKinder strahlen, als David ihnen auch funkelnagelneue Fahrräder mitTransportkörben übergibt.  

 

 

Die Bücher und Räder hat „AfriKids“von einer Sonderspende des Fördervereins gekauft, denn einigeKinder, die im Umkreis der Distrikthauptstadt Bolgatanga inabgelegenen kleinen Dörfern leben, haben kilometerlange Schulwegezurückzulegen. Geschwister müssen sich allerdings einen Drahteselteilen. „So what?“, lacht ein Junge: „Da kann man auch zu zweitdrauf fahren. Besser, als stundenlang zu Fuß durch die Hitzelaufen.“ Auch Sozialarbeiter David strahlt, denn er bekommt einneues (gebrauchtes) Motorrad, mit dem er täglich von Dorf zu Dorffährt, um die Familien zu betreuen und um mit ihnen Fortschritteoder Probleme zu besprechen.

(…)Auf dem Sozius von Mopeds lassen sich auch die Eifeler über staubigePisten fahren, quer durch meckernde Ziegenherden, vorbei anfreilaufenden Schweinen und aufgescheuchten Perlhühnern. KnorrigeBaobab-Bäume und seltsame Felsformationen säumen die Wege. Die„Solemingas“ besuchen ihre Patenkinder in der Schule und in ihrenbescheidenen Rundhäuschen aus Lehm, und überall werden sie mit demherzlichen Willkommensgruß „Akwaaba“ empfangen.

(…)Wie jeden Abend gegen 18 Uhr färbt die untergehende Sonne den Himmelüber der Savanne glutrot, und die Party auf der ehemaligenHotelterrasse geht zu Ende. Die Trommler geben noch einmal alles, dieWeißen mischen sich mutig unter die Tänzer und versuchen vergeblichden afrikanischen Hüftschwung. Egal, alle fühlen sich wie auf einemFamilienfest miteinander verbunden, Ghanaer und Deutsche, Schwarzeund Weiße, Kinder und Erwachsene, Arme und vergleichsweise Reiche.Letztere haben beim Abschied von ihren afrikanischen Patenkindern dasgute Gefühl und die Gewissheit, dass die Sozialarbeiter von„AfriKids“ die Spenden des Eifeler Fördervereinsverantwortungsvoll und sinnvoll einsetzen.“

RZMittelmosel vom Samstag, 22. März 2014, Seite 15 (0 Views)

 

 

 

Motto von Afrikids: "Bringing a big Smile to little Faces"